Isabell Werth und über die Wut gegen den sog. modernen Reitsport

Veröffentlicht am 9. Februar 2026 um 14:03

Ein notwendiger Weckruf:

Vielleicht sind Sie über den Suchbegriff Isabell Werth hier gelandet. Ich nutze diese Aufmerksamkeit ganz bewusst. 

Warum?

Weil es Zeit wird, den Tatsachen ins Auge zu sehen, vielleicht auch Zeit, die liebgewonnene Komfortzone zu verlassen.

Wenn Ohnmacht in Wut umschlägt:

Die Welle der Entrüstung nach der jüngsten Verkaufsschau (Anfang Februar 2026) von Helgstrand-Hengsten ist kein bloßes Hating. Dass die Wut so hochkocht, hat mehrere Gründe.

Zum einen in den Personen Helgstrand und Werth und zum anderen in der nun schon jahrzehntelangen Ignoranz der Funktionäre gegenüber Kritik aus Wissenschaft, von Reitenden und aus Tierschutzkreisen.

Wir sprechen bei Helgstrand nicht von irgendwem. Isabell Werth ist mit ihrer Kooperation mit Helgstrand und seinen Hengsten eine fatale Allianz eingegangen. Sie präsentiert die Pferde eines Stalls, das durch Enthüllungen der Doku Operation X weltweit für Entsetzen gesorgt hat. Andreas Helgstrand wurde aufgrund dieser Beweise wegen Tierquälerei für das dänische Nationalteam gesperrt. (!)

Offenbar hat Frau Werth nun für sich und ihr Unternehmen beschlossen, dass "es jetzt mal gut sein muss mit den Vorwürfen". 

Und so präsentiert sie ohne Scham die jungen Hengste auf Verkaufsschauen und tut dies auf eine Weise, die bei den Kritikern und Kritikerinnen sauer aufstößt und bei der Basis für sehr viel Wut sorgt. Diese Wut ist der Schrei einer Gesellschaft, die eine tiefe Ohnmacht empfindet.  Eine Ohnmacht gegenüber einem System, das jetzt seit Jahrzehnten die Augen vor der Qual der Pferde verschließt, eine Ohnmacht gegenüber einem System, das standhaft,  absolut alle wissenschaftlichen Studien, die die Qual der Pferde beweisen, ignoriert, eine Ohnmacht gegenüber einem System, das diesen Umgang mit Pferden pflegt,und diese Art, Pferde zu reiten, ausnahmslos belohnt, eine Ohnmacht gegenüber Menschen, die damit Unsummen verdienen.

Dieses Gefühl,  gegen eine Wand aus Ignoranz und finanziellen Interessen anzurennen, ist es schließlich, das zu der Wut führt, die wir gerade erleben.

Wir erleben mehr und mehr eine Abschottung gegen Kritik und konsequenter Weise gegen die Möglichkeiten, Beweise gegen die Gewalt gegen Pferde im Reitsport zu sammeln.

Um nicht rein theoretisch zu bleiben und dem verlogenen Wunsch nach sachlicher Kritik entgegen zu kommen, erkläre ich hier , was bei der Vorstellung von Isabell Werth von einem  der Hengste zu sehen war, und das ist nicht das, was Jens Bullmann, u.a. 1. Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Artlenburger Elbmarsch (Stand 2024) und Herausgeber eines Standardwerks für Pferdezüchter,  durch seine rosarote Züchterbrille zu sehen glaubte. Er echauffierte sich in einem Statement auf Facebook über die Wut der Kritiker und Kritikerinnen und ihre Wortwahl. Über die Wortwahl lässt sich hier und da sicher streiten, aber über die Kritik als solche, so meine ich, nicht.

Ich greife also die Sequenz heraus, die u.a. zu mächtig Kritik geführt hatte. Das Video können Sie sich auf meiner Facebook-Seite anschauen, um das, was ich jetzt schreibe, mit dem Video vergleichen zu können.

Hier der Link:

https://www.facebook.com/regina.rheinwald/posts/pfbid02wuJDAKhkHXn5iVcVhGr9gNZDHBqKcAb6gkBhpviM4abMev28ffxU6FaZiJHbwGcul

 

Und hier ist meine Sichtschulung/mein Kommentar dazu:

 

Erfolgreiche Reiterin: Ja
Gute Reiterin: Nein
Blickschulung und wie es richtig wäre:
 
Wir schauen auf das Pferdemaul und sehen ein Pferd, das unruhig ist, dass teilweise im Takt das Maul öffnet und schließt, dass sich (noch) versucht, herauszuheben. Es ist ein junges Pferd, in dessen Maul eine Kandare nichts verloren hat. Wie immer sehen wir die Kandare im Anschlag. Das fast taktmäßige Öffnen und Schließen des Pferdemauls gehört zu den typischen Abwehrmechanismen von Pferden gegen harte Hände, scharfe Gebisse und in der Folge, dem Schmerz, der dadurch verursacht wird. 
Die Kandarenzügel auf Anschlag ist ein reiterliches No-Go. Sie sollten nie im Anschlag sein, denn die Kandarenstange ist eine scharfes Werkzeug und war ursprünglich dafür gedacht, die Hilfen von wahren Meistern zu verfeinern.
Wenn Sie mehr zu der Wirkung der Kandare und anderer Gebisse lesen möchten, dannempfehle ich Ihnen ein Buch: "Ein Buch, das nie erschien - vom System Gewalt gegen das Pferd". Dort erfahren sie auch, warum ich diesem Buch einen so scheinbar holprigen Namen gab.
 
Wir schauen auf die Hände und sehen unruhige, harte Hände, die das Pferd stören, den Kopf immer wieder durch hartes, ruckartiges Annehmen herunterrucken (mit Kandare!).  Niemals wird an den Kandarenzügeln gezogen, geschweige denn geruckt! Die Kandare ist ein scharfes Schwert, das von Schmerz bis Kieferbruch alles nach sich ziehen kann!
 
Wir schauen auf die Füße der Reiterin und sehen einen heftigen, regelmäßigen Sporeneinsatz! Hier haben wir wieder einmal den Beweis, dass meine Forderung nach einem Verbot von Sporen einfach nur richtig ist. Von Verfeinerung der Hilfen kann hier wahrlich nicht die Rede sein. Schmerzhaftes, fortwährendes Stechen mit den Sporen ist in meinen Augen Tierquälerei!
 
Wir sehen weiterhin ein vollkommen überfordertes Pferd, das noch lange nicht so weit ist, an einer Piaffe gearbeitet zu werden. Daher quält und rettet es sich in taktunreines Gehampel und Gezappel, das einem wirklich die Tränen kommen!
 
Richtig wäre, zunächst an der wirklichen Versammlung zu arbeiten, von der wir hier absolut nichts sehen. Deshalb täuscht die Werth über die mangelnde Ausbildung hinweg, indem sie die Piaffen immer wieder aus dem Schritt entwickelt.
 
Wenn das Pferd versammelt geht, sich selbst trägt, was die Werth wahrscheinlich noch nie gefühlt hat, dann geht es weiter mit der Entwicklung halber Tritte, dann halbe Tritte selbsttragend, und so weiter bis zur Piaffe. Das ist natürlich nur eine grobe Kurzanleitung. Sie soll nur verdeutlichen, dass das, was wir hier sehen, reiterlicher Mist ist. Das wäre egal, wenn es sich um ein Motorrad handeln würde, aber es geht um ein Pferd, ein feinfühliges Wesen! Und die Studien, die die Qual der Pferde beweisen, werden weiter ignoriert.
Was nicht dem Wohle des Pferdes dient, darf nicht gemacht werden!
 
Übrigens werden sie in meinem nächsten Buch ,"Systemkollaps" - von der Gewalt gegen das Pferd zur wirklichen Partnerschaft", tief in das System, den Kollaps desselben, aber auch eine Lösung eintauchen können.
 

Die Strategie der Mauer:

Unter diesem Video also versammelte sich also viel Wut, stellvertretend für all die langjährige Verzweiflung über schreckliche Bilder von Turnierpferden, die dem Mammon geopfert werden.

Anstatt nun diese Kritk aufzunehmen, und zwar ernsthaft und nicht beschwichtigend bis leugnend,  führt uns das System zum "Gipfel der Arroganz".  Das Filmen auf Abreiteplätzen wird teilweise verboten und mit dem Abschalten von Kommentarfunktionen will man auch die Kritiker und Kritikerinnen abschalten. 

Sie sollen genauso stumm werden wie die Pferde, die keine Schmerzlaute besitzen und jede Qual stumm erleiden müssen.

Hier ein regelrechter Aufruf in den sozialen Medien:

 

           Man sollte die Kommentarfunktion bei solchen Veranstaltungen deaktivieren.

           Das Reiterjournal hat sie schon seit langem gesperrt. Dann erledigt sich das mit

           diesen unsäglichen Kommentaren ganz von selbst. Es ist wirklich nicht mehr zu

           ertragen und zerstört unseren Sport.

Wohlgemerkt, "es zerstört unseren Sport"! DAS ist es, was Besorgnis erregt! Nicht etwa die Tatsache, das die Pferde mental, psychisch und physisch zerstört werden.

 

Der Ausweg aus der Ohnmacht:

Mein Buch, "Systemkollaps - von der Gewalt gegen das Pferd zur wirklichen Partnerschaft", beschreibt, analysiert und kritisiert das System und zeigt auf, wo die Gewaltfallen liegen. 

Dann setze ich dort genau an und entwickle ein neues System, das nur eine Frage hat:

Dient es dem Wohl des Pferdes?

Ich hoffe, wir sehen uns alle in den Trümmern des alten Systems und bauen ein neues auf, in dem wir uns alle wohl fühlen können, die Reiterinnen und Reiter genauso wie die Pferde.

 

Reitsport-Verbot

Tun wir das nicht, dann liegt ein Verbot des Reitsports viel, viel näher, als so mancher im Moment vielleicht glauben mag...

Regina Rheinwald

Autorin, Reitlehrerin, Verhaltenstherapeutin für Pferde

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