Ein notwendiger Weckruf:
Vielleicht sind Sie über den Suchbegriff Isabell Werth hier gelandet. Ich nutze diese Aufmerksamkeit ganz bewusst.
Warum?
Weil es Zeit wird, den Tatsachen ins Auge zu sehen, vielleicht auch Zeit, die liebgewonnene Komfortzone zu verlassen.
Wenn Ohnmacht in Wut umschlägt:
Die Welle der Entrüstung nach der jüngsten Verkaufsschau (Anfang Februar 2026) von Helgstrand-Hengsten ist kein bloßes Hating. Dass die Wut so hochkocht, hat mehrere Gründe.
Zum einen in den Personen Helgstrand und Werth und zum anderen in der nun schon jahrzehntelangen Ignoranz der Funktionäre gegenüber Kritik aus Wissenschaft, von Reitenden und aus Tierschutzkreisen.
Wir sprechen bei Helgstrand nicht von irgendwem. Isabell Werth ist mit ihrer Kooperation mit Helgstrand und seinen Hengsten eine fatale Allianz eingegangen. Sie präsentiert die Pferde eines Stalls, das durch Enthüllungen der Doku Operation X weltweit für Entsetzen gesorgt hat. Andreas Helgstrand wurde aufgrund dieser Beweise wegen Tierquälerei für das dänische Nationalteam gesperrt. (!)
Offenbar hat Frau Werth nun für sich und ihr Unternehmen beschlossen, dass "es jetzt mal gut sein muss mit den Vorwürfen".
Und so präsentiert sie ohne Scham die jungen Hengste auf Verkaufsschauen und tut dies auf eine Weise, die bei den Kritikern und Kritikerinnen sauer aufstößt und bei der Basis für sehr viel Wut sorgt. Diese Wut ist der Schrei einer Gesellschaft, die eine tiefe Ohnmacht empfindet. Eine Ohnmacht gegenüber einem System, das jetzt seit Jahrzehnten die Augen vor der Qual der Pferde verschließt, eine Ohnmacht gegenüber einem System, das standhaft, absolut alle wissenschaftlichen Studien, die die Qual der Pferde beweisen, ignoriert, eine Ohnmacht gegenüber einem System, das diesen Umgang mit Pferden pflegt,und diese Art, Pferde zu reiten, ausnahmslos belohnt, eine Ohnmacht gegenüber Menschen, die damit Unsummen verdienen.
Dieses Gefühl, gegen eine Wand aus Ignoranz und finanziellen Interessen anzurennen, ist es schließlich, das zu der Wut führt, die wir gerade erleben.
Wir erleben mehr und mehr eine Abschottung gegen Kritik und konsequenter Weise gegen die Möglichkeiten, Beweise gegen die Gewalt gegen Pferde im Reitsport zu sammeln.
Um nicht rein theoretisch zu bleiben und dem verlogenen Wunsch nach sachlicher Kritik entgegen zu kommen, erkläre ich hier , was bei der Vorstellung von Isabell Werth von einem der Hengste zu sehen war, und das ist nicht das, was Jens Bullmann, u.a. 1. Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Artlenburger Elbmarsch (Stand 2024) und Herausgeber eines Standardwerks für Pferdezüchter, durch seine rosarote Züchterbrille zu sehen glaubte. Er echauffierte sich in einem Statement auf Facebook über die Wut der Kritiker und Kritikerinnen und ihre Wortwahl. Über die Wortwahl lässt sich hier und da sicher streiten, aber über die Kritik als solche, so meine ich, nicht.
Ich greife also die Sequenz heraus, die u.a. zu mächtig Kritik geführt hatte. Das Video können Sie sich auf meiner Facebook-Seite anschauen, um das, was ich jetzt schreibe, mit dem Video vergleichen zu können.
Hier der Link:
Und hier ist meine Sichtschulung/mein Kommentar dazu:
Die Strategie der Mauer:
Anstatt nun diese Kritk aufzunehmen, und zwar ernsthaft und nicht beschwichtigend bis leugnend, führt uns das System zum "Gipfel der Arroganz". Das Filmen auf Abreiteplätzen wird teilweise verboten und mit dem Abschalten von Kommentarfunktionen will man auch die Kritiker und Kritikerinnen abschalten.
Sie sollen genauso stumm werden wie die Pferde, die keine Schmerzlaute besitzen und jede Qual stumm erleiden müssen.
Hier ein regelrechter Aufruf in den sozialen Medien:
Man sollte die Kommentarfunktion bei solchen Veranstaltungen deaktivieren.
Das Reiterjournal hat sie schon seit langem gesperrt. Dann erledigt sich das mit
diesen unsäglichen Kommentaren ganz von selbst. Es ist wirklich nicht mehr zu
ertragen und zerstört unseren Sport.
Wohlgemerkt, "es zerstört unseren Sport"! DAS ist es, was Besorgnis erregt! Nicht etwa die Tatsache, das die Pferde mental, psychisch und physisch zerstört werden.
Der Ausweg aus der Ohnmacht:
Mein Buch, "Systemkollaps - von der Gewalt gegen das Pferd zur wirklichen Partnerschaft", beschreibt, analysiert und kritisiert das System und zeigt auf, wo die Gewaltfallen liegen.
Dann setze ich dort genau an und entwickle ein neues System, das nur eine Frage hat:
Dient es dem Wohl des Pferdes?
Ich hoffe, wir sehen uns alle in den Trümmern des alten Systems und bauen ein neues auf, in dem wir uns alle wohl fühlen können, die Reiterinnen und Reiter genauso wie die Pferde.
Reitsport-Verbot
Tun wir das nicht, dann liegt ein Verbot des Reitsports viel, viel näher, als so mancher im Moment vielleicht glauben mag...
Regina Rheinwald
Autorin, Reitlehrerin, Verhaltenstherapeutin für Pferde