Das Geld bricht weg, weil das Pferdewohl weggebrochen ist! Von den großen Sponsorenproblemen bei der FN, Deutsche Reiterliche Vereinigung.

Veröffentlicht am 7. Oktober 2026 um 13:30

Es ist eine Argumentation, die ich seit vielen Jahren unermüdlich wiederhole, und die aktuellen Ereignisse bestätigen sie mit erschütternder Präzision: Ein System, das sich weigert, das Wohl des Pferdes tatsächlich und kompromisslos an die erste Stelle zu setzen, gräbt sich selbst das Fundament ab.

2015: Der Beweis

Bereits 2015 habe ich mit meinem Buch „Ein Buch, das nie erschien – Vom System Gewalt gegen das Pferd" den ersten fundierten, investigativen Beweis erbracht, dass Gewalt im Reitsport kein bedauerlicher Einzelfall, sondern gelebter Alltag mit System ist. Jahrelange Recherchen direkt an den Abreiteplätzen, akribische fotografische Dokumentationen von Regelverstößen, handfeste Konfrontationen mit uneinsichtigen Richtern vor Ort sowie endlose Auseinandersetzungen mit Landesverbänden und  der FN machten die strukturellen Abgründe damals schwarz auf weiß sichtbar.

Schon damals war klar: Wenn der Verband sich weiterhin weigert, diesen Missständen ins Auge zu blicken und stattdessen wegschaut, wird das gesamte Konstrukt über kurz oder lang implodieren.

Mehr zur investigativen Recherche: Wie die Verstöße damals an der Basis dokumentiert und von offizieller Seite abgewehrt wurden, lässt sich im Detail nachlesen in „Ein Buch, das nie erschien – vom System Gewalt gegen das Pferd" auf Amazon. LINK

2026: Prinzessin weg, Agria will nicht mehr, Geld weg, Krise

Die Verbandsfunktionäre präsentieren jede neue finanzielle Schieflage gern als unglückliche Fügung, als Missverständnis oder als lästige Vertragsstreitigkeit. Doch die Wahrheit liegt tiefer: Die chronischen Geldnöte sind kein Pech. Sie sind das direkte Resultat dieser jahrzehntelangen Weigerung, echte, spürbare Veränderungen herbeizuführen und den Schritt von bloßen Lippenbekenntnissen und großen Imagekampagnen zu einer gelebten Partnerschaft mit dem Pferd zu gehen.

Die jüngsten Vorfälle zeigen in aller Schärfe, wohin diese Verweigerungshaltung führt.

Erst das Luftschloss, dann die Realität

Als die Millionen aus Abu Dhabi in Aussicht gestellt wurden, wirkte das wie der Versuch, die schwindende Akzeptanz im eigenen Land durch Glanz und Glamour aus Übersee zu überdecken. Ein Ausweichmanöver vor der Realität.

Nun ist die Prinzessin für die Verbandsspitze schlicht nicht mehr greifbar, die Zahlungen für das laufende Jahr bleiben aus, und allein bei den Bundeschampionaten klafft ein tiefes sechstelliges Loch (Quelle: u. a. dpa / Deutschlandfunk, September 2026). Insgesamt wird von siebenstelligen  Summen gesprochen.
Während der Betrieb der Al Shira'aa Stables weltweit ungerührt weiterläuft, steht man in Warendorf vor den Trümmern des Systems.
Wer glaubte, das Fiasko um Al Shira'aa sei ein isolierter Einzelfall, wurde Ende September vor der Zivilkammer des Landgerichts Münster eines Besseren belehrt. Mit dem schwedischen Tierversicherer Agria brach dem Verband die nächste zentrale Säule weg – ein bürgerlicher Hauptsponsor mit einem vertraglichen Volumen von rund 600.000 Euro jährlich.
Dass Agria gleich doppelt fristlos kündigte, erst wegen unüberbrückbarer Differenzen vor den Bundeschampionaten, dann wegen des Vorwurfs verletzter Vertraulichkeit nach einer Verbandspressekonferenz, zeigt, wie zerrüttet die Basis ist (Quelle: Züchterforum / Die Glocke, Gerichtsberichterstattung vom 30. September 2026). Dass das Gericht nun einen Vergleich über eine Million Euro vorschlagen musste, rettet vielleicht kurzfristig Liquidität, das verlorene Vertrauen stellt es nicht wieder her.

2026: Der Systemkollaps naht im Eiltempo

Genau dieses Phänomen, das Ausweichen vor der moralischen Verantwortung hin zu scheinbar rettenden Großinvestoren, beschreibe ich als Vorboten des Zusammenbruchs. Der Systemkollaps ist keine ferne Drohung mehr, er manifestiert sich längst vor unseren Augen.

 Zum Weiterlesen: Warum dieser Kollaps unausweichlich wurde und weshalb finanzielle Fluchtversuche die Krise nur beschleunigen, beleuchtet mein Buch [„Systemkollaps" auf Amazon]. LINK

2026: Sponsoren suchen Glaubwürdigkeit, keine Reputationsrisiken

Unternehmen, ganz gleich, ob skandinavische Tierversicherer oder heimische Betriebe,  investieren ihr Budget nicht, um chronische Löcher in Verbandskassen zu stopfen. Sie suchen ein Umfeld, das Werte transportiert: Respekt, Gesundheit, Ethik und eine intakte Beziehung zum Tier.
Genau das kann der Verband in seiner jetzigen Verfassung nicht mehr glaubhaft bieten.
Lediglich in den zahlreichen Imagefilmen, die das Netz geradezu überfluten, wird uns eine heile Welt voller fröhlicher Reiter-innen und begeisterter Zuschauer vorgegaukelt. Würde man dieses viele Geld in echte Veränderung zum Wohle der Pferde investieren, wäre bereits ein wichtiger Schritt getan. Solange die Signale des Pferdes ignoriert werden und Funktionäre Reformen aussitzen, bleibt der Sport für seriöse Partner ein unkalkulierbares Reputationsrisiko.

2026: Wer echte Veränderung vorschlägt, erntet Schweigen

Dass es anders geht, liegt längst auf dem Tisch. Ich arbeite seit geraumer Zeit an einem neuen, praxistauglichen ethischen Rahmen und Konzepten für ein alternatives Turniersystem, das das Wohl des Pferdes nicht als Floskel behandelt, sondern messbar ins Zentrum des Geschehens rückt. Dem Verband wurde hierzu ganz konkret eine Zusammenarbeit angeboten, um gangbare Auswege aus der Sackgasse zu erarbeiten. Er hatte ja zur Mitarbeit von außen, von allen, aufgerufen.

Die Reaktion aus Warendorf? Schweigen.

Man zieht es offensichtlich vor, Millionen vor Gericht einzuklagen oder vergeblich auf Anrufe aus den Emiraten zu warten, anstatt sich konstruktiv mit neuen, tragfähigen Konzepten für den Sport auseinanderzusetzen.

Das ewige Weitermachen funktioniert nicht mehr!

Würde der Verband endlich den Mut aufbringen, eine echte Kehrtwende zu vollziehen, sähe die Situation grundlegend anders aus:
Echtes Tierwohl schafft Vertrauen: Ein Verband, der das Wohl des Tieres unmissverständlich als obersten Maßstab lebt, gewinnt gesellschaftlichen Rückhalt zurück.
Und damit meine ich echte, wahre Veränderungen zum Wohle des Pferdes, keine Imagefilmchen, die den Laien einlullen sollen.
Werte schaffen Investitionssicherheit: Partner wenden sich nicht ab, weil sie Pferde meiden, sondern weil sie nicht mit ungelösten Tierschutzproblemen und Dauerkrisen in Verbindung gebracht werden wollen.
Solange man jedoch glaubt, die Symptome mit wechselnden Geldgebern oder Notkrediten kaschieren zu können, anstatt die Ursache anzupacken, wird dieser Verband von einer finanziellen Schieflage in die nächste stolpern.

Der Wegfall von Al Shira'aa und der Bruch mit Agria sind zwei Seiten derselben Medaille. Sie sind die Quittung dafür, dass man die Zeichen der Zeit seit Jahrzehnten ignoriert. Wer dauerhaft Partner an seiner Seite haben will, seien es Sponsoren, die breite Öffentlichkeit oder letztlich das Pferd selbst, muss zuallererst beweisen, dass Partnerschaft keine leere Worthülse ist.

Regina Rheinwald

Bilder nach genauer Beschreibung von mir von KI generiert.