Gewalt gegen Pferde: Die Pferde brauchen nicht noch mehr Empörung

Veröffentlicht am 10. Juni 2026 um 20:09

Und wieder ein neuer Skandal...

Fragen Sie sich auch, was eigentlich los ist im Reitsport? Im Pferdesport überhaupt? 

Ist man nicht fassungslos, wenn man sieht, mit welcher Selbstverständlichkeit Pferden Gewalt angetan wird?  Nicht aus Not, nicht aus Unwissen allein, sondern um Leistungen zu erzwingen, die das Pferd weder schuldet, noch leisten kann.

Wieder erschüttert ein Fall die Szene. Wieder sieht man Bilder, die niemand sehen möchte. Wieder wird ein Pferd geschlagen, gezerrt, gefügig gemacht. Und wieder beginnt das große Distanzieren, das große Schweigen, das große „Wir wussten von nichts“. Doch wer genau hinsieht, erkennt: Das ist kein Ausrutscher. Das ist Alltag.

 

Die Normalisierung der Gewalt

Warum fällt Beteiligten immer erst dann auf, dass Schlaufzügel, Sporen oder Peitschen „zu früh“ oder „zu hart“ eingesetzt wurden, wenn Videos auftauchen oder die Staatsanwaltschaft ermittelt?   *Weil diese Methoden im täglichen Betrieb längst normalisiert sind. 
 'Weil man sie nicht mehr hinterfragt. 
 *Weil sie funktionieren, solange das Pferd funktioniert.

Einzelfall - Empörung - Schock

Erst wenn das System Risse bekommt, wenn die Öffentlichkeit hinsieht, wenn die Empörung groß genug ist, dann plötzlich ist man „schockiert“. Dann wird aus jahrelanger Praxis ein „Versehen“. Dann wird aus strukturellem Zwang ein „Einzelfall“.

 *Doch das ist nichts anderes als Selbstschutz. 

 *Nicht Schutz für das Pferd – Schutz für das System.

 *Die gefährliche Oberflächlichkeit der Empörung

Es war nur zu früh...

Besonders deutlich zeigt sich das an einem Satz, der gerade viral geht:

Er hat zu früh Sporen, Peitsche und Schlaufzügel eingesetzt.

Viele applaudieren. Endlich sagt es jemand, heißt es. 

Doch wer diesen Satz wirklich versteht, erkennt das Gegenteil.

 

„Zu früh“ bedeutet: später ist es in Ordnung. 
„Zu früh“ bedeutet: das Werkzeug ist nicht das Problem, nur das Timing. 
„Zu früh“ bedeutet: Gewalt bleibt legitim, wenn sie gut dosiert ist.Das ist kein Angriff auf das System. Das ist seine Verteidigung.Und die Masse merkt es nicht einmal. Weil sie nur Schlagworte liest. Weil sie emotional reagiert, aber nicht analytisch. Weil Social Media Empörung belohnt, aber nicht Verstehen.So wird die Normalisierung der Gewalt weitergetragen, von Menschen, die eigentlich dagegen sein wollen.

Warum das System diese Blindheit braucht:

Solange die Öffentlichkeit sich mit symbolischen Distanzierungen zufriedengibt, muss sich im Kern nichts ändern.
Solange man einen Sündenbock präsentiert, bleibt das System stabil. Solange man Empörung kanalisiert, bleibt die Struktur unangetastet.
Das ist der Grund, warum diese Skandale kein Ende nehmen, nicht, weil einzelne Menschen versagen, sondern weil ein System existiert, das Gewalt ermöglicht, belohnt und schützt.

Der Mut zum genauen Hinsehen

Erst wenn man verstanden hat, dass hinter all diesen Fällen ein System steht, kann man beginnen, es zu verändern. 
Erst wenn man erkennt, dass Gewalt nicht aus Versehen geschieht, sondern aus System/Struktur, kann man die richtigen Fragen stellen.
In meinem Buch „Systemkollaps! Vom System Gewalt gegen das Pferd im Reitsport zur wirklichen Partnerschaft“ analysiere ich genau diese Mechanismen. Ich zeige auf, wer das System stabilisiert, warum es so widerstandsfähig ist – und wie wir es überwinden können.

Denn eines ist klar: 
Die Pferde brauchen nicht noch mehr Empörung. 

Sie brauchen Menschen, die bereit sind, hinter die Kulissen zu schauen. 
Menschen, die nicht nur Symptome bekämpfen, sondern Ursachen. 
Menschen, die bereit sind, das System zu verändern,  nicht nur den Einzelfall.
Wenn Sie diesen Weg mitgehen möchten, dann sehen wir uns. 
Ich bin dort aktiv, wo Sie digital unterwegs sind – und lade Sie ein, tiefer zu blicken.

Herzliche Grüße

Regina Rheinwald
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