Täter-Opfer-Umkehr im Reitsport: Isabell Werths Vorwürfe schaden dem Wohl des Pferdes

Veröffentlicht am 11. August 2026 um 23:33

"Stalker"

In den letzten Tagen verfolge ich die Berichterstattung rund um den Reitsport mit wachsender Sorge. Vor allem die Äußerungen von Isabell Werth.
Von „Stalkern“ spricht sie, und von einer „verrückten Welt“.
Ob sie wirklich im Netz gestalkt wird, kann ich nicht beurteilen und ja, wir leben in einer verrückten Welt. Und der Hass im Netz ist etwas, was wir alle lieber heute als morgen abschaffen würden.

Warum Isabell Werth gerade jetzt das Thema Hass im Netz für sich entdeckt, unter dem wir im Prinzip alle schon so lange leiden.

Aber für Frau Werth ist das erst ein Thema, seit die Anzahl der Menschen, die den Reitsport in seiner derzeitigen Form kritisieren, stetig wächst. Und ja, sie und der Reitsport werden beobachtet. Das ist das Recht von Menschen in einer freien Demokratie. Es ist auch deren Recht, zu sagen oder zu schreiben, was sie davon halten, was falsch läuft und auch, dass sie über so manche Bilder oder Videos ihr blankes Entsetzen äußern.
Aber so war das natürlich nicht gedacht.

Was sich in den letzten 10 Jahren geändert hat.

Vor über zehn Jahren habe ich die systematische Gewalt auf Reitturnieren umfassend dokumentiert, offengelegt und bewiesen. Damals war die Öffentlichkeit darüber noch nicht so gut informiert wie heute. Mein Buch über diese Arbeit war dann auch ein großer Aufreger und ich hatte damals mit großen Hasstiraden aus dem Umfeld des Reitsports zu kämpfen. Das war natürlich kein Thema, denn die FN, Frau Werth und Co. waren ja nicht betroffen. Nun wendet sich das Blatt und mit den fundierten Kritikerinnen und Kritikern treten mit Sicherheit auch Hater auf den Plan.  So wie sie auch bei uns, die die Pferde vor der Gewalt schützen wollen, auftreten.
Was Frau Werth nun macht, ist eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr und sie adressiert ihren Ärger an die Falschen. Wenn sie sich über Hass im Netz ärgert, sind die Plattformbetreiber, die Hass und Beleidigungen mit großer Reichweite belohnen, die richtige Adresse, nicht Kritikerinnen und Kritiker.

Täter-Opfer-Umkehr

Und warum ich der Meinung bin, dass es sich bei dem, was sie gerade treibt, um eine Täter-Opfer-Umkehr handelt?
Nun, wer sind denn die Opfer der derzeitigen Situation im Reitsport? Das sind die Pferde, und Pferde haben keine Stimme. Und das im wahrsten Sinne des Wortes nicht, denn sie besitzen keine Schmerzlaute. Und diejenigen, die den Pferden diese Stimme geben, die Kritikerinnen und Kritiker am Umgang und den Ausbildungsmethoden und dem Reiten im Leistungssport, die werden nun als „Stalker“ oder Hater dargestellt und es wird so getan, als seien sie Schuld an einer von Frau Werth empfundenen verrückten Welt. Damit stellt sie meiner Meinung nach Kritik als etwas dar, das abgeschafft werden sollte, und zwar unter dem Deckmantel der Hater-Bekämpfung.

Wenn aus der Analyse Realität wird

Mein Fazit ist, dass die Kritik, die Stimmen für die Pferde, die Stimmen für das wirkliche Wohl des Pferdes, dass all das und seine Personen verschwinden sollen. Dafür spricht ein Brief, den Isabell Werth und einige andere vor einiger Zeit an die FEI (Internationale Reiterliche Vereinigung) geschrieben haben. Was bei mir noch Teil einer Analyse war und im Buch "Systemkollaps! Vom System Gewalt gegen das Pferd im Reitsport zur wirklichen Partnerschaft" nachzulesen ist, wird nun Realität.

Doch dieser Kurs ist eine Sackgasse. Wer den wissenschaftlichen Diskurs verweigert, Kritik mundtot machen möchte und das Wohl der Tiere hinter die eigenen Interessen stellt, wird nur eines erreichen: Der Reitsport wird seine gesellschaftliche Akzeptanz endgültig verspielen.

Ich werde weiterhin nicht schweigen. Denn Reformen beginnen dort, wo die Wahrheit ausgesprochen wird.

Regina Rheinwald

Mach mit bei der Aktion:
Ich bin kein Stalker, ich bin kein Hater, ich bin nicht verantwortlich für Isabell Werths verrückte Welt!