Das System lässt reiten und streiten!
In der Psychologie gibt es ein faszinierendes, aber feiges Phänomen:
Wer ganz oben steht, muss sich nicht mehr die Hände schmutzig machen.
Was hat denn das nun wieder mit Reitsport zu tun, höre ich es bereits wieder wispern und wehklagen. Gemach, gemach!
Ein Blog-Beitrag geht durch Decke
Vor kurzem ist ein Blog-Artikel von mir durch die Decke gegangen. Tausende haben den „Brief des Pferdes Vayron an seine Reiterin Ingrid Klimke“ gelesen.
Die Basis soll den Karren aus dem Dreck ziehen
Wenn also Kritik laut wird, dann ziehen sich die Funktionäre und die Elite-Reiterinnen und -Reiter zurück. Sie spannen sich aus und legen ihren Fans das Geschirr an. Sie sollen von nun an die Kutsche oder den Karren aus dem Dreck ziehen, den sie selbst verursacht haben, für den sie aber die Verantwortung nicht übernehmen wollen. Sie selbst lehnen sich satt und zufrieden zurück, gießen hin und wieder Öl ins Feuer, um die Fans bei Kampfeslaune zu halten und erklären ihnen unentwegt, dass sie selbst super sind, natürlich auch mal einen Fehler machen, schließlich seien sie ja auch nur Menschen…
Die auf Loyalität getrimmte Basis wird zu ihren Bodyguards, die sie mit Händen und Füßen verteidigt. Da ist kaum Zeit, einmal innezuhalten und über die Kritik einmal eingehend nachzudenken. Denn kaum beginnt einer von den Bodyguards damit, wird er oder sie mit Jammern und Klagen wieder zurück vor die Kutsche bugsiert.
Systematische Konditionierung der Wahrnehmung
Und weiter heizt das System die Stimmung an, in dem sie Bilder und Videos von vermeintlicher Harmonie und perfektem Ausdruck posten und die Basis an Bilder gewöhnt, in denen Pferde lautlos vor Qual schreien.
Wie die Empathie verschwindet
Das wahrzunehmen oder zu „hören“, hat man ihnen fast unmöglich gemacht. Diese systematische Konditionierung der Wahrnehmung zeigt Wirkung. Durch die ständige Wiederholung der Narrative und/oder Worte, Wörter und Begriffe, in Hochglanzmagazinen, Verbandspublikationen und perfekt inszenierten Social-Media-Feeds und auf den ganz großen Turnieren, verschiebt sich die Grenze dessen, was als ästhetisch oder korrekt empfunden wird. Das Auge wurde über Jahre darauf trainiert, Stresssignale als „Ausdruck“ und Qualen als „Leistungsbereitschaft“ misszudeuten. So verschwindet die Empathie. Und deshalb kämpfen sie für ihre großen Vorbilder. Und die Elite-Reiterinnen und Reiter und deren Funktionäre brauchen nicht einmal mehr eine Peitsche. „Du gehörst zu uns. Wir sind deine Freunde“, schmeicheln sie und die Bodyguards kämpfen dafür mit noch härteren Bandagen, während oben auf der Kutsche die Sektkorken knallen.
Prost!
Regina Rheinwald, das Pferde-Atelier für Wort und Bild

Unter anderem analysiere und zeige ich, wer das System "Gewalt gegen das Pferd" hält und stützt!
Das neue Buch "Systemkollaps! Vom System Gewalt gegen das Pferd zur wirklichen Partnerschaft!" kommt in diesem Frühjahr raus.
Hier gehts zur Webseite! Schau dich um im Pferde-Atelier für Wort und Bild!

🔍 Hintergrund: Mechanismen der Gruppendynamik im Sport
- Dieser Text thematisiert die psychologischen Strukturen innerhalb geschlossener Sport-Communities. Um die Argumentation einzuordnen, hilft ein Blick auf etablierte Konzepte:
- Identifikation & Loyalität: Die Sozialpsychologie beschreibt, wie sich Fans stark mit ihren Idolen identifizieren. Kritik am Vorbild wird oft als persönlicher Angriff empfunden, was zu automatischen Abwehrmechanismen führt.
- Kognitive Dissonanz: Wenn Bilder von (vermeintlichem) Tierleid auf das Selbstbild des „tierlieben Reiters“ treffen, wird dieser Konflikt oft gelöst, indem die Kritik abgewertet oder das Gesehene durch Autoritäten umgedeutet wird.
- Visuelle Gewöhnung: Die Wahrnehmung von Ästhetik ist lernbar. Was über Jahrzehnte als „Standard“ präsentiert wird, prägt das Auge, sodass Stresssignale schleichend als Normalität akzeptiert werden.
- Hinweis: Dieser Beitrag ist ein Debattenbeitrag zur Ethik im Reitsport. Er nutzt die Zuspitzung als stilistisches Mittel, um auf die Verantwortung der Repräsentanten hinzuweisen.
Bild: Von mir überarbeitetes KI-Bild